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Frieden, Versöhnung, Miteinander

Auf dem Weg zum Katholikentag
Welche ökumenischen Akzente der Katholikentag setzen will – Interview mit Professor Dr. Petro Müller, Ökumenereferent des Bistums Würzburg

Würzburg (POW) Der Katholikentag versteht sich als Ort der Begegnung – auch über Konfessionsgrenzen hinweg. Domvikar Professor Dr. Petro Müller, Ökumenereferent des Bistums Würzburg, erklärt im folgenden Interview, warum gemeinsame Gottesdienste, Friedensthemen und geistliche Angebote ein wichtiges Signal für die Einheit der Christen sind.

POW: Wenn man in der Katholikentags-App das Stichwort „Ökumene“ eingibt, erscheinen 68 Veranstaltungen. Ist das angesichts von über 900 Programmpunkten viel oder wenig für eine Großveranstaltung, die „katholisch“ im Titel trägt?

Ökumenereferent Domvikar Professor Dr. Petro Müller: Wenn man das ökumenische Engagement sowohl bei den vorigen Katholiken- als auch bei den evangelischen Kirchentagen dazu in den Blick nimmt, scheint es mir diesmal etwas mehr ökumenische Angebote zu geben. Ich habe mich vor allem darüber gefreut, dass im Programm der Freitag ganz bewusst mit „Ökumenischer Tag“ betitelt wird. Das wurde meines Wissens vom jüngsten evangelischen Kirchentag in Hannover übernommen. Damit wird das Ökumenische deutlich benannt. Am Freitag sind tatsächlich die meisten ökumenischen Veranstaltungen gelistet, wie beispielsweise der „Ökumenische Frauengottesdienst“ oder der zentrale ökumenische Gottesdienst, die beide im Dom gefeiert werden.

POW: Warum ist es in Ihren Augen wichtig, dass der Katholikentag auch die anderen Kirchen in den Blick nimmt?

Müller: Weil wir ohne einander nicht mehr sein können. Ökumenische Zusammenarbeit ist deshalb wichtig, damit das in der Gesellschaft oft reduzierte Thema „Kirche“ wieder bewusster wird. Kirche also im Sinne von „Wir gehören zu Jesus Christus!“. Auch ein ökumenisches Wir-Gefühl kann auf Katholikentagen gestärkt werden ‒ ebenso wie auf evangelischen Kirchentagen. Wir sind keine verstreuten Konfessionen, sondern wir gehören in dem „einen Christus“ sichtbar zusammen. Das wird man zum Beispiel auf der Kirchenmeile erfahren können. 

POW: Welche Akzente erhoffen Sie sich von der Großveranstaltung in Würzburg?

Müller: Das Thema „Frieden“ ‒ so scheint es mir ‒ nimmt einen breiteren Raum ein als auf bisherigen kirchlichen Großveranstaltungen. Wir benötigen den Frieden einerseits für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, der sehr fragil geworden ist, andererseits aber auch für Aussöhnungen weltweit. Die derzeitigen Kriege und Konflikte sind unerträglich und insgesamt der Menschheit unwürdig. Kirchen können gemeinsam und in die Gesellschaft hinein aktiv Frieden fördern. Ich möchte mal als Beispiel das Friedensgebet der in Würzburg vertretenen „Nagelkreuzgemeinschaft“ aufgreifen. Im Zweiten Weltkrieg, nach der Zerstörung von Coventry und Würzburg, suchte man Versöhnungswege. Die Gemeinschaft, 1974 gegründet, betet seit über 50 Jahren ihr ökumenisches Friedensgebet in der „Liturgie der Versöhnung“. So ist Versöhnung gelungen und wäre ein Vorbild für heute, wie man Frieden schließen und sich versöhnen kann.

POW: Auf dem Gelände der Erlöserschwestern gibt es ein „Ökumenisches Kloster“. Was erwartet die Besucherinnen und Besucher dort?

Müller: Das „Ökumenische Kloster“ greift über Konfessionsgrenzen hinweg unterschiedliche Ansätze von Spiritualität der Ordensgemeinschaften auf. Man teilt sozusagen die Schätze der jeweiligen Traditionen und erlebt darin eine „Ökumene im Kleinen“, die aber große Auswirkungen haben kann. Dort wird es nämlich auch Gespräche geben mit Ordensleuten, die ihre geistlichen Erfahrungen in die Zivilgesellschaft einbringen können und wollen. Außerdem laden sie zu Gebeten und Impulsen ein, die wirklich ein reicher Schatz aus der jeweiligen Ordensspiritualität sind und so kennengelernt, aufgegriffen und geteilt werden können. 

POW: Auf welche Veranstaltung freuen Sie als Ökumenereferent des Bistums sich am meisten?

Müller: Ich freue mich einmal auf den zentralen ökumenischen Gottesdienst im Dom, weil dieser eben multilateral sein wird. Die Kirchen und Gemeinschaften aus der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (AcK) in Deutschland haben ihn vorbereitet und ich kenne einige der Liturgen persönlich. Die ökumenische „Community“ wird sichtbar sein. Die Kirchen gemeinsam rufen sozusagen allen das Motto des Katholikentags zu: „Hab Mut, steh auf!“ Christen packen das gemeinsam an. Außerdem freue ich mich auf den Empfang der AcK am Freitagabend. Dort werde ich wieder viele ökumenische Freunde und Bekannte treffen können. Nicht nur solche, die derzeit aktiv sind, sondern auch manche, die sich früher für die Einheit der Christen engagierten. 

POW: Was wäre aus Ihrer Sicht wünschenswert für die nächsten Kirchen- oder Katholikentage?

Müller: Auf solchen Großveranstaltungen gab es früher immer ein „Ökumenisches Zentrum“. Das war mehr als nur ein „Ökumenetag“. Über die Zeitspanne aller Tage hinweg wurde von unterschiedlichsten ökumenischen „Playern“ die Ökumene noch mehr in den Fokus gestellt und man brachte Ideen und Beispiele gelungener Ökumene mit. Das verdeutlichte jedes Mal die Tatsache, dass die Ökumene in nahezu allen Kirchen zu deren Wesensaufgaben gehört. Dieses Bewusstsein gehört geschärft. Wichtig scheint es mir, möglichst alle Kirchen zu diesen Tagen einzuladen und sie zu beteiligen. Man möchte rufen: „Habt Mut! Steht auf! Ladet alle ein!“

Interview: Markus Hauck (POW)

(1826/0389; E-Mail voraus)

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